Nachdem Botschafterin Matzner-Holzer am Montagabend bei der special lecture über „North Africa’s Young Civil Society“ für ihr Statement „women are not supressed by religion but by men“ verdienten Beifall geerntet hatte, fand sich am Dienstagvormittag zur Diskussion über Internet und Demokratie eine Nachahmungstäterin ein um dieses Mal eine missglückte Verbalattacke loszulassen. Eine griechische Zuhörerin, nennen wir sie Xanthippe, kritisierte die ausschließlich männliche Besetzung des panels. In ebendiesem panel befand sich auch Xanthippes Ehemann, ein wahrer Stoiker. Zu diesem kleinen Eklat war es gekommen, nachdem der Moderator aufgefordert hatte, doch endlich eine Frage zu stellen und nicht nur unzusammenhängende Kommentare abzugeben. Möge dieser Kelch (oder Schierlingsbecher?) in Zukunft an uns vorübergehen!

Aber auch das ist Alpbach: die (um 10 Minuten gekürzten) 5 minutes of fame auszukosten, sobald man den Besitz des Mikrofons erlangt hat. Diese Beobachtung und auch die Tatsache, dass es sich hier um meinen zweiten und gleichzeitig letzten Blog handelt, veranlasst mich – die Sokratische Mäeutik anwendend – über den Spirit of Alpbach zu philosophieren. Was ist nun der Spirit of Alpbach, frage ich. Kann man sagen, der Spirit of Alpbach lässt sich in den Seminaren, Kamingesprächen und Diskussionen erfahren? Oder ist es nicht vielmehr das allabendliche Trinkgelage in Jakober und Waschkuchl, das den Spirit of Alpbach ausmacht? Die Antwort muss jeder für sich selbst erforschen. Eine Erkenntnis, die wir Sokrates zu verdanken haben, ist die Definition des heurigen Themas Gerechtigkeit als „jedem das Seine“. Einige andere Erkenntnisse durften wir in Alpbach bereits erfahren zum Beispiel, dass Cocktailempfänge nichts mit Cocktails zu tun haben, und dass Kamingespräche auch sehr gut ohne Kamin auskommen.

Und zum Abschluss: Ist es möglich, dass wir Xanthippe (der echten) die Sokratische Philosophie zu verdanken haben? Wäre Xanthippe nicht gar so scheußlich gewesen, hätte ihr Mann nicht ständig vor ihr auf den Marktplatz, den Ort seiner philosophischen Gespräche, flüchten müssen. Insofern sind wir auch der Gattin des OpenLeaks-Gründers zu Dank verpflichtet.
Nina am 28. Jun, 13:12

Die Verbindung zu Sokrates/ Xanthippe hat mich sehr belustigt :) Schöne Analogie!
mady am 31. Jul, 15:35

hehe, sehr schöner Beitrag, Glückwunsch zum leichten und interessanten Schreibstil - liest man immer gerne wieder.